Achtung, langweilig. Aber der Vollständigkeit halber und für unsere Hardcore-Fans…
Achtung, langweilig. Aber der Vollständigkeit halber und für unsere Hardcore-Fans…
Nachdem wir in Maine mit der schon beschriebenen sagenhaften Natur verwöhnt wurden, waren die Erwartungen natürlich hoch an die großen kanadischen Wälder. Doch, es sollte ganz anders kommen:
An der Grenze wurden wir von einem halbwegs freundlichen Grenzbeamten nach unserem Begehr und dem woher und wohin befragt.Nach unseren offensichtlich zufrieden stellenden Antworten bekamen wir einen schicken Stempel in den Pass und machten uns auf gen Quebec.
Schon nach der Grenze wurde deutlich, dass dieses Land wesentlich europäischer werden würde, als Amerika. Sowohl vom Baustil (Steinhäuser), Autos (kaum SUVs) und den Entfernungsangaben in Kilometern (es lebe das metrische System).
Doch zunächst mussten wir uns durch gefühlte dreihundert Baustellen kämpfen. Offensichtlich besitzt Kanada einen erstaunlichen Drang zur Straßenreparatur, dem hier freien Lauf gelassen wurde. Wenn wir wieder in Ilmenau sind, werden wir mal beim Bürgermeister vorsprechen und eine kanadisch-ilmenauer Städtepartnerschaft anregen…diese passionierten Löcherbuddler könnten zusammen eine Menge Spaß haben!
Als ABM standen außerdem an jeder Baustelle zwei Menschen mit Flaggen und bewedelten den Verkehr, eine Ampel wäre offenbar auch zu einfach gewesen.
Ein weiterer großer Aspekt, der die Kanadier von den Amerikanern unterscheidet, ist der Hang zu ausgeprägtem sozialem Verhalten. Das prägt sich nicht nur im kanadischen Sozialversicherungssystem aus, sondern auch auf der Straße. In vielen Ortschaften existieren keine Vorfahrtsstraßen, sondern an jeder verdammten Kreuzung befindet sich ein Stopschild. Das gibt einem Gelegenheit, die anderen Autofahrer zu grüßen und anschließend einen Liter Sprit im vollgepackten SUV beim Anfahren in die Luft zu blasen.
Weiterhin hupen die Kanadier nicht gern. War New York von einem permanenten Hupkonzert erfüllt, sind die kanadischen Großstädte für New-York-assimilierte von einer nahezu gespenstischen Stille erfüllt. Und wenn, dann tippt der Kanadier wie ein scheues Reh nur einmal kurz auf die Hupe – im Gegensatz zum Amerikaner, der gerne lange und mit mehreren Wiederholungen drauflaatscht.
Doch kommen wir an dieser Stelle zu den bisher besichtigten Städten:
Unsere erste Stadt war Québec City, die wie der Name schon verrät, in Québec, also dem französischsprachigen Teil Kanadas liegt. Eine sehr schöne Stadt, direkt am Sankt-Lorenz-Strom gelegen und mit mehr kulturhistorischen Bauten als die gesamte US Ostküste.
Nach einer Nacht, in der wir das erste mal kanadisches Bier testeten (sehr durwachsen, aber wie sich in den darauffolgenden Tagen herausstellte, gibt es auch sehr leckere Sorten) und in einem günstigen Motel schliefen, ging es direkt weiter nach Montréal.
Auch Montréal liegt direkt am Fluß (und in Québec). Von der schönen Altstadt mit vielen Straßencafes und französischem Flair hat man einen sehr schönen Ausblick auf das Flusstal (vom Mont Royal herunter, der der Stadt seinen Namen verliehen hat). Das Fazit zu Montréal fällt insgesamt positiv aus, mit kleineren Abzügen in der B-Note. In Stichworten:
- man kann dort sehr günstig sehr gute Metal Bands sehen, die ihre Instrumente wirklich beherrschen
- leider beherrschen gewisse Tontechniker ihr Handwerk nicht, so dass Sound für den Popo ist und das Schlagzeug wie Geklopfe auf Omas Zuckerdose klingt
- man kann dort von wildfremden Menschen angesprochen werden, und während man seine letzten Brocken Schulfranzösisch zusammenklaubt, bekommt man eine blutige Nase gehauen
- eine bezahlbare Unterkunft zu finden ist schwierig, wir haben letztendlich im Studentenwohnheim übernachtet
Am nächsten Tag fuhren wir zum Rivière Rogue nordöstlich von Montréal, das ist DER Wildwasserfluss Kanadas, um dort eine Kajaktour zu machen. Nachdem wir beim ersten Verleiher kein Glück hatten fanden wir letztendlich doch noch einen anderen und konnten uns direkt einer geführten Tour anschließen. Wir entschieden uns für ein aufgeblasenes Kajak, da es leider keine richtigen Kajaks gab und wir keine Lust auf ein Raft hatten.
Der Nachteil dieses Flussgefährts ist es, dass man relativ hoch sitzt und keinen Halt hat. Bei Wildwasserstufe 3 kommt da durchaus Freude auf und folgerichtig landeten wir mehrmals im Wasser. Insbesondere Martin, der vorne auf dem Katapultsitz saß, hatte spektakuläre Abgänge von Board.
Danach verließen wir die verrückten französischen Separatisten und fuhren weiter Richtung Westen (juhuu, endlich wieder Englisch reden). Die anschließende Nacht verbrachten wir nach langer Suche und nächtlicher Ankunft auf einem Campingplatz irgendwo in der Vallachei.
Während ich diese Zeilen tippe befinden wir uns auf dem Weg nach Toronto, wo wir in einem Hostel mitten in der City einchecken werden.
Dort werden wir auch wieder mehr filmen und Photos machen, was wir in den letzten Tagen leider kaum getan haben.
UPDATE: Das Video sollte nun laufen
Hechel, hechel…hier noch ein schnell zusammengeklöppeltes Video unserer Fahrt aus New York heraus Richtung Catskill National Park.
Neudeutsch auch Vlog genannt. War eigentlich als Komplettablöse für das herkömmliche Geschreibsel in Zeiten des Roadtrips geplant.
Wir haben auch fleißig gefilmt, aber die Zeit zum schneiden und vor allem zum hochladen bei youtube fehlt. Also habt Geduld, irgendwann kommen die ganzen Bewegtbilder noch….
Die letzten beiden Tage haben wir in Maine verbracht, auch die grüne Perle unter den US Bundesstaaten genannt.
Und tatsächlich: Mit einer Mischung aus Schweden und Schottland inklusive einsamer, bezaubernder Natur hat uns Maine nachhaltig beeindruckt. Sowohl mit Flüssen, Seen und der Meeresküste geizt Maine nicht. Ebenso wenig, wie mit schönen Bergen und Hügeln.
Hier mal ein paar Bilder:
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Hier gibt es Lachse und Forellen im Überfluss
10 Meter weiter stand unser Zelt
Bergwanderung:
Schön saftig, diese Region
Kosten.
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(’nuff said)
An einem strahlenden Sonntag verließen wir die Stadt, die wir unsere neue Heimat nannten und machten uns auf zu neuen Ufern und neuen Heimata (ist doch der Plural, oder?). Wir haben es uns nicht nehmen lassen unsere Wohnung so zurück zu lassen wie wir sie auch vorfanden: dreckig. Aber das sieht die Vermieterin nicht so eng. Wayne, der bescheidene Ehegatte, Anwalt, und Teilzeitalkoholiker war sehr traurig über unsere Abreise – sicherlich auch deshalb, weil er jetzt kein Bier mehr in unserem Kühlschrank verstecken kann.
Unser Gefährt ist ein roter Explorer, der leider mehr verbraucht als angegeben – gute 15 Liter gönnt er sich schon mal bei gemütlicher Highway-fahrt mit 90 Sachen. Der Sprit kostet im Moment 67 Eurocent pro Liter, das geht ja noch.
Das erste Ziel für den Tag 1 post NewYokem war der nicht so weit entfernte CatskillPark. Schon nach wenigen Minuten in der Natur waren wir total hingerissen von Bäumen und viel Grün und WIesen und Bächen und Flüssen und und und….man sollte jedoch bedenken, dass wir seit April nur Stadt gesehen haben und deswegen auch die rosa Brille in Bezug auf Natur aufhaben.
Angekommen im grünen Bärenparadies sind wir dann so gegen 19 Uhr Abends auf einem Campingplatz. Dieser bot für alle (Achtung! gemutmaßte Schätzung) 47 anwesenden Männer und Zwischenwesen genau eine verstopfte Toilette und 2 kalte Duschen – Mirko und Jan haben sich im Fluss gebadet und ich habe mich an der „Dusche“ versucht. War kälter als gedacht, aber man will ja nicht stinken. Nachdem man uns 15 Dollar pro Nase, 6 Dollar für 4 Scheite Feuerholz und 5 Dollar für eine Leihisomatte abgeknöpft hat konnten wir dann endlich Parzelle 21 beziehen und uns einen gemütlich Abend am Feuer machen.
Nachdem wir uns am nächsten morgen ein lecker Frühstück im nächsten Diner genehmigt haben (war billig, fettig und schmeckte gut) haben wir den Jan in Rhinecliff zum Zug gebracht und machten uns auf gen Osten nach Boston. Dort angekommen haben wir viel zu viel für das Zimmer und noch mehr fürs Parken bezahlt und dazu ungefähr 234 Flüche gesprochen. Unser erster Eindruck: Drecksstadt, diese Abzockerschweine, hier geht ja gar nix, Mann Mann Mann (neuer Flüchestand: 236). Wir werden uns jetzt mal ins lokale Nachtleben aufmachen, denn heute ist Laborday – dennoch machen hier alle Bars um 2 Uhr zu, so ein Mist (237).
Hier noch das Video unseres Abschieds:
Der Abschied aus NYC naht so langsam, heute morgen hat schon der erste schmerzhafte Abschied stattgefunden.
Danke Blue Raleigh, es war immer schön mit dir. Auch wenn du meine Liebe öfters auf die Probe gestellt hast (5 Platten, Sturz mitten auf der Kreuzung, Komplettablösung der Bremse vor einem Radtourrückweg durch die Rush-Hour Manhattans) hast du mich doch treu hunderte von Kilometern Meilen sänftengleich durch die five boroughs getragen.
Möge dein neuer Besitzer, ein komischer deutscher Austauschmilchbart, der trotz meiner muttersprachlichen Worte nur Englisch mit mir geredet hat, dich in Ehren halten und nicht mit den Tropfen deines Lieblingsöls geizen.
Take care!