Nun, was macht man 4:30Uhr Montag morgens in Deutschland, wenn man wusste, dass man aufgrund des Jetlags früh aufwacht? Richtig, man schreibt in Zeiten des Internets 2.0 etwas in einen Blog:
Vor 3 Wochen entschied ich mich recht spontan die 2er WG in Brooklyn zu besuchen, um zu sehen how things are.
Leider musste auch ich mich zunächst dem 2stündigen Prozedere der Einreisekontrolle zusammen mit meinen Touristenkollegen aus den Maschinen aus Seoul und Singapur unterziehen, um dann endlich das Land des „credit or debit“ erneut betreten zu dürfen.
Am nächsten Tag (nach einer ruhigen Nacht und einem für meine Mitbewohner zu frühen aufstehen, nochmal „danke“ an Jan, für die Luftmatratze) streifte ich zunächst etwas ziellos um die Häuser, um mir einen Eindruck von der Nachbarschaft zu machen- 109 Friseurshops/m², Reggaemusik der 100% Obamawähler und Sonne bis zum Abwinken!! So sieht’s aus.
Nach einigen touristischen Aktivitäten wollten wir Samstag Abend auch mal die Stadt rocken – gesagt, versucht: Der erste Club hatte gefühlte 12°C und 170db am Start (auf die Frage nach Oropax - wie wird dieses Wort eigentlich geschrieben?? – wurde mir nur ein Packen Servietten hingeknallt und ich wurde freundlich ausgelacht) – Serviceland Nr 1. Also weitergezogen, die nächste Lokaltität wollte die vor uns stehende gemixte Gruppierung (Frauen und Männer) nicht in den Club lassen, weil heute „nicht mixed“ ist. Homosexuell ist zwar recht „in“ in New York, jedoch dachten wir uns, dass wir als gute alte „Understatement“ Europäer nicht jeden Scheiß mitmachen müssten. Also weitergezogen, und nach einer Bar mit brutal süßem Zuckerkuchen kamen wir dann auch zum geilsten DJ (Geschlechtsform wahrscheinlich Neutrum) der Welt, der hätte sogar das Singen einer Nachtigall in derben Trash-Metall mixen können, und jeder hätte weitergefeiert. Die anschließende Nacht zum Sonntag wurde jeh vom christlichen Gebahren unserer Nachbarschaft und von possierlichem Mäusegeraschel (aber die war echt süß!!) unterbrochen.
Das anschließende Touri-Programm der Woche lässt sich wie folgt abkürzen:
Central Park – sehr geil
Empire State Building bei Nacht – lohnenswert, aber bitte keine Kamera-Stative mitnehmen, da sonst Herzinfarkt droht (auf dieser Logik basiert wahrscheinlich auch das Glauben an die Schöpfungsgeschichte)
Guggenheim – gute Idee was das Gebäude angeht, Ausstellungsstücke allerdings nicht begreifbar
UNO – unspektakulär hoch 10
Naturkundemuseum – cooler Blauwal, Triceratops, Mammut, T-Rex, Velociraptor plus Brachiosaurus, noch geiler wäre es gewesen, wenn nicht Nachts im Museum II gedreht worden wäre und man so auch die Haupthalle betreten hätte können
Financial District – erstaunlich entspannend! Allein, dass ein vorbeigehender Anzugträger auf die Frage, wo denn die NYSE sei (und wir waren Luftlinie 400m entfernt) ein ehrliches „no idea, I’m not from this town“ entgegnete, macht die ganze $-Welt doch noch sympathisch
Ground Zero – beeindruckend, unfassbar und das Ding wird nie fertig
Times Square und Fifth Ave – kaputt im Kopf
Williamsburg – sehr geil, wenn man dann noch enge Jeans, Blackberry, I phone, Skateboard, Bahnrad plus bunte Schuhe am Start hat, dann ist man da der Held!!
MoMA – der Burner
Manhattenumrundung per Schiff – „You are what you make people believe you are“ (Zitat unseres Captains, ca. 36 Trilliarden mal wiederholt)
Aber zurück zum weitaus interessanteren Nachtleben: Um kostenlos an „Shots“ zu kommen, musste einer von uns steifen mitteleuropäischen Hüftträgern einen Hula-Hupp-Reifen mindestens 2min oben halten können – komplett unmöglich. Als sich der Laden dann leerte fragte ich den Barmann, wo man denn hier noch abgehen könnte. Er empfahl uns das „Sweyyyne“, das wahrscheinlich in seinem Kopf unter der Schublade „die wollen eh gehen und jetzt verarsche ich sie noch“ abgelegt war. Der Taxifahrer hatte zum Glück die gleiche Schublade und setzte uns auch da ab, wo es sein sollte, jedoch war da nix, zum Glück hat er wenigstens meine europäische Methode Tips zu geben nicht gecheckt und ist ohne von dannen gezogen – ha! Wenigstens fanden wir noch ne Bar, jedoch wollten dann irgendwann alle (bis auf Martin und mir) weiterziehen und taten es auch (entgegen anders lautender Aussagen) ohne uns Bescheid zu geben!!! Der anschließende Versuch mit 3 Eingeborenen morgens um 3:30 Uhr noch was ordentliches zu finden gestaltete sich ungemein schwierig, denn ab 4 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt – soviel zu „the city that never sleepss“ – you are wrong Mr Sinatra!! Demzufolge machte ich es mir aufgrund 100% Luftfeuchte, unglaublicher Müdigkeit, 30°C und einem endlosen Warten auf diese zuverlässigsten Subways der Welt auch auf dem Boden der Haltestelle Broadway-Lafayette liegenderweise gemütlich.
Weiteres Highlight war noch ne 50min Subwayfahrt mit einem Mitfahrer, der anscheinend ne Mischung aus Barry White, Michael Jackson, Justin Timberlake und Shaggy, der auf den Style von Miami Vice trifft, war. Mit Walkman am Start lieferte er uns einmalige Featurings von u.a. „Shaft“ und „Drop it like it’s hot“. Höhepunkt war das tanzende Wortgefecht zwischen ihm und einem 5 Zentner Schwarzen: „I don’t have my dancing shoes on, but I’ll show ya!“ vs. „This is shit man, this is bullshit“. Zwischen den beiden Herren liefen bei mir indes schon Tränen der Freude!!
Zum Glück konnten wir auch noch unserem geliebten Sport, dem Fußball fröhnen (und nicht nur dem wichtigen Belgien-Deutschland Länderspiel, dem ich mich gerade noch so entziehen konnte, da ich NYC doch interessanter fand als Robert Enkes Bewährungsprobe!!!). Ausgestattet mit Nike-Fussball ging es an den doch sehr coolen Strand von Brooklyn, wo mir schon bald konditionelle Schwächen aufgezeigt wurden. Wir hatten dann sogar noch die Möglichkeit zwischen zwei Häusern auf einen Menschen mit Gotcha-Pistolen zu schießen – denn das Spiel hieß „Shoot the Freak“. Ich glaube, das wird der neue Trend in Europa!! Die machen aus allem Geld. Jetzt weiß ich auch, warum die UNO ihren Sitz in NYC hat.
Am letzten Abend waren wir in ner echt geilen Homo-Bar (zu meinem Erstaunen gab es da auch glaube ich nur eine richtige Tucke) und danach in nem Drecks-House-Schuppen, wo ich dachte, dass eine junge Dame, mir etwas Gutes wollte, und mir einen Drink ausgeben möchte – mitnichten, das Ding kostete 6$ und unfreundlich war sie dann auch noch. Leider haben wir dann Mirko und Jan verloren, so zogen Phlip, Martin et moi mit schallender Handy-Mucke (ich glaube Summer von den Beatsteaks war das Highlight) zum nächsten Laden, wo ich dann mal ausprobieren durfte, wie es sich auf hochhackigen Schuhen tanzt – und es geht erstaunlich gut, selbst in Schuhen, die 3 Nummern zu klein sind! Als Absacker no ne Runde in einen kleinen Park eingebrochen, nackt ums Handy getanzt und ne Pizza geholt (@ Phlip: Ja, deine Pizza hat 5$ gekostet!!). Und dann gab es noch ein versöhnliches Wiedersehen mit den beiden Verschollenen und zwar 5m vor unserer Haustür - I’ll tell ya – this city is magic!!
So jungs, Danke nochmal, dass Ihr mich aufgenommen habt, Danke an die U-Bahn, dass sie mich nach 1,75h doch noch 5min vor Abfertigungsende zum CheckIn gebracht hat, Danke an meine Mitstreiter, dass sie sich meinem Touri-Wahn mit angeschlossen haben, Danke auch an alle Frittierbuden NYCs und Gatorade, dass sie uns am Leben erhielten, Danke an Mirkos Chili con Carne, Danke an den Fernseher, der uns den ständigen Stellvertreterkrieg in olympischer Form zwischen den USA und China näherbrachte und natürlich Danke an Michael Phelps, ohne den die Spiele nur ein nicht wahrnehmbarer TV-Moment zwischen zwei Werbeeinheiten gewesen wäre.
und hier noch ein paar Fotos:

Phlip und Jan - man beachte das Schild darüber

Der Hausherr

Leider nicht durchgehalten - deshalb auch kein Schnaps

ohne Gatorade geht nix

Null Toleranz gegenüber Ratten an der Oberfläche

nächste olympische Disziplin: Backsteine auf Manhatten werfen
Nehmt Acht – Take care.
Sebastian