Archiv für die Kategorie ‘Glücksmomente’

Roadtrip Tag 4 und 5

5. September 2008

Die letzten beiden Tage haben wir in Maine verbracht, auch die grüne Perle unter den US Bundesstaaten genannt.

Und tatsächlich: Mit einer Mischung aus Schweden und Schottland inklusive einsamer, bezaubernder Natur hat uns Maine nachhaltig beeindruckt. Sowohl mit Flüssen, Seen und der Meeresküste geizt Maine nicht. Ebenso wenig, wie mit schönen Bergen und Hügeln.

Hier mal ein paar Bilder:

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Hier gibt es Lachse und Forellen im Überfluss

10 Meter weiter stand unser Zelt

Bergwanderung:

Schön saftig, diese Region

Gasteintrag: „debit or credit?“

25. August 2008

Nun, was macht man 4:30Uhr Montag morgens in Deutschland, wenn man wusste, dass man aufgrund des Jetlags früh aufwacht? Richtig, man schreibt in Zeiten des Internets 2.0 etwas in einen Blog:

Vor 3 Wochen entschied ich mich recht spontan die 2er WG in Brooklyn zu besuchen, um zu sehen how things are.

Leider musste auch ich mich zunächst dem 2stündigen Prozedere der Einreisekontrolle zusammen mit meinen Touristenkollegen aus den Maschinen aus Seoul und Singapur unterziehen, um dann endlich das Land des „credit or debit“ erneut betreten zu dürfen.

Am nächsten Tag (nach einer ruhigen Nacht und einem für meine Mitbewohner zu frühen aufstehen, nochmal „danke“ an Jan, für die Luftmatratze) streifte ich zunächst etwas ziellos um die Häuser, um mir einen Eindruck von der Nachbarschaft zu machen- 109 Friseurshops/m², Reggaemusik der 100% Obamawähler und Sonne bis zum Abwinken!! So sieht’s aus.

Nach einigen touristischen Aktivitäten wollten wir Samstag Abend auch mal die Stadt rocken – gesagt, versucht: Der erste Club hatte gefühlte 12°C und 170db am Start (auf die Frage nach Oropax - wie wird dieses Wort eigentlich geschrieben?? – wurde mir nur ein Packen Servietten hingeknallt und ich wurde freundlich ausgelacht) – Serviceland Nr 1. Also weitergezogen, die nächste Lokaltität wollte die vor uns stehende gemixte Gruppierung (Frauen und Männer) nicht in den Club lassen, weil heute „nicht mixed“ ist. Homosexuell ist zwar recht „in“ in New York, jedoch dachten wir uns, dass wir als gute alte „Understatement“ Europäer nicht jeden Scheiß mitmachen müssten. Also weitergezogen, und nach einer Bar mit brutal süßem Zuckerkuchen kamen wir dann auch zum geilsten DJ (Geschlechtsform wahrscheinlich Neutrum) der Welt, der hätte sogar das Singen einer Nachtigall in derben Trash-Metall mixen können, und jeder hätte weitergefeiert. Die anschließende Nacht zum Sonntag wurde jeh vom christlichen Gebahren unserer Nachbarschaft und von possierlichem Mäusegeraschel (aber die war echt süß!!) unterbrochen.

Das anschließende Touri-Programm der Woche lässt sich wie folgt abkürzen:

Central Park – sehr geil

Empire State Building bei Nacht – lohnenswert, aber bitte keine Kamera-Stative mitnehmen, da sonst Herzinfarkt droht (auf dieser Logik basiert wahrscheinlich auch das Glauben an die Schöpfungsgeschichte)

Guggenheim – gute Idee was das Gebäude angeht, Ausstellungsstücke allerdings nicht begreifbar

UNO – unspektakulär hoch 10

Naturkundemuseum – cooler Blauwal, Triceratops, Mammut, T-Rex, Velociraptor plus Brachiosaurus, noch geiler wäre es gewesen, wenn nicht Nachts im Museum II gedreht worden wäre und man so auch die Haupthalle betreten hätte können

Financial District – erstaunlich entspannend! Allein, dass ein vorbeigehender Anzugträger auf die Frage, wo denn die NYSE sei (und wir waren Luftlinie 400m entfernt) ein ehrliches „no idea, I’m not from this town“ entgegnete, macht die ganze $-Welt doch noch sympathisch

Ground Zero – beeindruckend, unfassbar und das Ding wird nie fertig

Times Square und Fifth Ave – kaputt im Kopf

Williamsburg – sehr geil, wenn man dann noch enge Jeans, Blackberry, I phone, Skateboard, Bahnrad plus bunte Schuhe am Start hat, dann ist man da der Held!!

MoMA – der Burner

Manhattenumrundung per Schiff – „You are what you make people believe you are“ (Zitat unseres Captains, ca. 36 Trilliarden mal wiederholt)

Aber zurück zum weitaus interessanteren Nachtleben: Um kostenlos an „Shots“ zu kommen, musste einer von uns steifen mitteleuropäischen Hüftträgern einen Hula-Hupp-Reifen mindestens 2min oben halten können – komplett unmöglich. Als sich der Laden dann leerte fragte ich den Barmann, wo man denn hier noch abgehen könnte. Er empfahl uns das „Sweyyyne“, das wahrscheinlich in seinem Kopf unter der Schublade „die wollen eh gehen und jetzt verarsche ich sie noch“ abgelegt war. Der Taxifahrer hatte zum Glück die gleiche Schublade und setzte uns auch da ab, wo es sein sollte, jedoch war da nix, zum Glück hat er wenigstens meine europäische Methode Tips zu geben nicht gecheckt und ist ohne von dannen gezogen – ha! Wenigstens fanden wir noch ne Bar, jedoch wollten dann irgendwann alle (bis auf Martin und mir) weiterziehen und taten es auch (entgegen anders lautender Aussagen) ohne uns Bescheid zu geben!!! Der anschließende Versuch mit 3 Eingeborenen morgens um 3:30 Uhr noch was ordentliches zu finden gestaltete sich ungemein schwierig, denn ab 4 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt – soviel zu „the city that never sleepss“ – you are wrong Mr Sinatra!! Demzufolge machte ich es mir aufgrund 100% Luftfeuchte, unglaublicher Müdigkeit, 30°C und einem endlosen Warten auf diese zuverlässigsten Subways der Welt auch auf dem Boden der Haltestelle Broadway-Lafayette liegenderweise gemütlich.

Weiteres Highlight war noch ne 50min Subwayfahrt mit einem Mitfahrer, der anscheinend ne Mischung aus Barry White, Michael Jackson, Justin Timberlake und Shaggy, der auf den Style von Miami Vice trifft, war. Mit Walkman am Start lieferte er uns einmalige Featurings von u.a. „Shaft“ und „Drop it like it’s hot“. Höhepunkt war das tanzende Wortgefecht zwischen ihm und einem 5 Zentner Schwarzen: „I don’t have my dancing shoes on, but I’ll show ya!“ vs. „This is shit man, this is bullshit“. Zwischen den beiden Herren liefen bei mir indes schon Tränen der Freude!!

Zum Glück konnten wir auch noch unserem geliebten Sport, dem Fußball fröhnen (und nicht nur dem wichtigen Belgien-Deutschland Länderspiel, dem ich mich gerade noch so entziehen konnte, da ich NYC doch interessanter fand als Robert Enkes Bewährungsprobe!!!). Ausgestattet mit Nike-Fussball ging es an den doch sehr coolen Strand von Brooklyn, wo mir schon bald konditionelle Schwächen aufgezeigt wurden. Wir hatten dann sogar noch die Möglichkeit zwischen zwei Häusern auf einen Menschen mit Gotcha-Pistolen zu schießen – denn das Spiel hieß „Shoot the Freak“. Ich glaube, das wird der neue Trend in Europa!! Die machen aus allem Geld. Jetzt weiß ich auch, warum die UNO ihren Sitz in NYC hat.

Am letzten Abend waren wir in ner echt geilen Homo-Bar (zu meinem Erstaunen gab es da auch glaube ich nur eine richtige Tucke) und danach in nem Drecks-House-Schuppen, wo ich dachte, dass eine junge Dame, mir etwas Gutes wollte, und mir einen Drink ausgeben möchte – mitnichten, das Ding kostete 6$ und unfreundlich war sie dann auch noch. Leider haben wir dann Mirko und Jan verloren, so zogen Phlip, Martin et moi mit schallender Handy-Mucke (ich glaube Summer von den Beatsteaks war das Highlight) zum nächsten Laden, wo ich dann mal ausprobieren durfte, wie es sich auf hochhackigen Schuhen tanzt – und es geht erstaunlich gut, selbst in Schuhen, die 3 Nummern zu klein sind! Als Absacker no ne Runde in einen kleinen Park eingebrochen, nackt ums Handy getanzt und ne Pizza geholt (@ Phlip: Ja, deine Pizza hat 5$ gekostet!!). Und dann gab es noch ein versöhnliches Wiedersehen mit den beiden Verschollenen und zwar 5m vor unserer Haustür - I’ll tell ya – this city is magic!!

So jungs, Danke nochmal, dass Ihr mich aufgenommen habt, Danke an die U-Bahn, dass sie mich nach 1,75h doch noch 5min vor Abfertigungsende zum CheckIn gebracht hat, Danke an meine Mitstreiter, dass sie sich meinem Touri-Wahn mit angeschlossen haben, Danke auch an alle Frittierbuden NYCs und Gatorade, dass sie uns am Leben erhielten, Danke an Mirkos Chili con Carne, Danke an den Fernseher, der uns den ständigen Stellvertreterkrieg in olympischer Form zwischen den USA und China näherbrachte und natürlich Danke an Michael Phelps, ohne den die Spiele nur ein nicht wahrnehmbarer TV-Moment zwischen zwei Werbeeinheiten gewesen wäre.

und hier noch ein paar Fotos:

man beachte das Schild darüber

Phlip und Jan - man beachte das Schild darüber

Der Hausherr

Der Hausherr

Leider nicht durchgehalten - deshalb auch kein Schnaps

Leider nicht durchgehalten - deshalb auch kein Schnaps

ohne Gatorade geht nix

ohne Gatorade geht nix

Null Toleranz gegenüber Ratten an der Oberfläche

Null Toleranz gegenüber Ratten an der Oberfläche

Backsteine auf Manhatten werfen

nächste olympische Disziplin: Backsteine auf Manhatten werfen

Nehmt Acht – Take care.

Sebastian

Brüder, zur Sonne, zur Freiheit

24. August 2008

To our loyal fans from the US Department of Homeland Security: We are just kidding, you know?! God bless America!

Sharon Jones & the Dapkings

20. August 2008

„I am not your baby – get yourself a newborn“

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Leider war es das letzte Konzert der Central Park Summer Stage – dafür aber ein geniales…und eine weitere Funk/Soul Legende, die ich live erleben durfte…

Radtour

20. August 2008

Während unser Besuch ein Touristenprogramm absolvierte und Martin in geheimer Mission unterwegs war, habe ich mich mal wieder auf’s Rad geschwungen.

Zunächst ging es Richtung Norden nach Williamsburg.

Nach einer kleinen Shopping Pause fuhr ich über die Pulaski Bridge in den stark industriell geprägten Teil auf der Grenze zwischen Brooklyn und Queens.

Auf der Brücke eine freundliche Aufforderung, der ich gerne nachgekommen bin:

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That’s where the money goes…

Ausfahrt der Brücke

Hinter diesem Schild ging es in eine Sackgasse, an deren Ende sich eine Zweigstelle von Budweiser befand…

Blick auf die Williamsburg Bridge

Mid-/Uptown Manhattan und Queensboro Bridge

Am Fuße der Queensboro Bridge

Blick Richtung Norden den Hudson hinauf, fotografiert von von der Queensboro Bridge aus

Die Pendler-Gondel von Roosevelt Island nach Manhattan

Blick über den Hudson nach Queens

Williamsburg und Williamsburg Bridge

Free Your Mind…And Your Ass Will Follow

27. Juli 2008

Unter diesem Albumtitel von Funkadelic aus dem Jahre 1970 stand wohl auch das Motto eines der abgefahrensten Konzerte, dessen ich je beiwohnen durfte:

George Clinton and the P-Funk Allstars spielten live in New York

Wer ist George Clinton und was ist P-Funk werden sich jetzt einige fragen. Nun, George Clinton kann man wohl als einen der ganz großen Päpste in der Geschichte des Funk bezeichnen und auch generell als einen der einflussreichsten Musiker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aktiv ist „Dr. Funkenstein“ seit 1955 (!) und geht mittlerweile auf die 70 zu, auch das ein Grund mehr ihn noch einmal live zu sehen, wer weiß wie lange er noch durchhält…In den 60ern  war er u.a. als Songwriter für das legendäre Motown Label tätig, danach gründete der die Bands Funkadelic und Parliament, und erfand mit diesen sozusagen den P-Funk. Hierbei kommen auch härtere, z.T. verzerrte Gitarren zum Einsatz, außerdem führt er den Sprechgesang in den Funk ein. Somit ist er nicht nur Wegbereiter für den Crossover sondern auch für den Hip-Hop. Bis heute verwenden Hip-Hopper Material von George Clinton, er gilt als einer der meistgesampelten Musiker überhaupt.

Doch nicht nur als Songwriter und Sänger ist Clinton erfolgreich, er produziert auch viele Bands, u.a. das Freaky Styley Album der Red Hot Chili Peppers.

Doch die geneigten Leser sollen nicht mit zu vielen Details an dieser Stelle genervt werden, fest steht, dass dieser Mann eine lebende Legende ist und meine Vorfreude auf dieses Konzert unbeschreiblich groß war. Da Martin sich nichts aus Funk macht, war ich also mal wieder alleine Richtung BB King Blues Club unterwegs.

Nach einem äußerst langsam verlaufenden Soundcheck passierte erstmal nichts. Dann kamen Rowdies und Bandmitglieder im zehn Minuten Abstand auf die Bühne, legten hier ein Handtuch hin, stellten dort eine Flasche Wasser hin oder stimmten die Gitarre zum dritten mal.

Somit hatte ich ausführlich Zeit mir das Equipment anzuschauen, und die schiere Masse an Krempel ließ Großes erwarten: Es befanden sich ein Keyboard plus Orgel, ein Schlagzeug, ein Bassverstärker, fünf Gitarrenverstärker, 2 Bläsermikros, 8 Gesangsmikros und ein Sythesizer auf der Bühne.

Dann ging es endlich los, zunächst eröffneten „nur“ zehn Musiker das Set, doch wo blieb nur George? Nach und nach trudelten immer mehr Musiker auf  der Bühne ein und drei Lieder später betrat dann der Meister  unter frenetischem Applaus die Bühne, die mittlerweile mit ca 25 Musikern gut gefüllt war.

Danach folgten drei Stunden puren Wahnsinns. Die Lieder der Alben dienten lediglich als grobes Muster und jeder Song wurde auf mindestens zehn Minuten ausgedehnt, und mittendrin George Clinton, der das ganze Chaos auf der Bühne gutgelaunt managte und seine Mitmusiker durch das Set dirigierte. Umso erstaunlicher, dass es keine erkennbaren Pannen gab, wurden doch auf der Bühne fleißig Kräuterzigaretten konsumiert – und auch hier allen voran: George Clinton.

Habe ich schon erwähnt, dass George gelernter Frisör ist? (kein Scherz)

Bigdaddy in Action:

Eine der Damen vom Background

Was für eine Stimme…

Der gewindelte Gitarrist…

Die Musiker wechselten sich während des Konzerts immer ab, wer Lust hatte spielte mit, wer eine Pause brauchte verschwand hinter Bühne (um kurz darauf mit nochmals deutlich zugeschwolleneren Augen wieder mitzumachen). Wer gerade keinen freien Amp oder ein freies Mikro fand, tanzte oder teilte sich mit anderen ein Mikro. Im Schnitt befanden sich immer zwischen zwanzig und dreißig Leute auf der Bühne – was für ein Spaß. Die Stimmung war einfach super, alle tanzten und sangen und auch George Clinton ging bis auf zwei kleinere Pausen über die volle Distanz, wofür ich hiermit meinen virtuellen Hut ziehe…mit 67 noch so Party zu machen ist einfach sensationell.

Die drei Stunden vergingen jedenfalls wie im Flug und als die Lichter angingen musste ich erstmal dem lieben Herrgott für dieses Erlebnis danken. Dass mich dann auf dem Rückweg mal wieder die New Yorker Subway natzte ist eine andere Geschichte und gehört nicht hier hin. Todmüde und mit kaputtgetanzten Beinen fiel ich dann ins Bett um in einen komatösen 5stündigen Schlaf zu fallen, am nächsten Morgen hieß es schließlich arbeiten…

Wer noch einen weiteren kleinen Eindruck bekommen möchte, kann sich das frisch geschnittene Flipcam-Video angucken (man beachte auch die Obama Wahlkampfwerbung):

Summer in THE City

21. Juli 2008

Als Besucher unserer beiden USA Veteranen will ich es mir an dieser Stelle nicht entgehen lassen, einen Gastkommentar zu verfassen oder dies zumindest zu versuchen.

Nach acht Stunden Flug vom Flughafen Düsseldorf  (natürlich startete der Flug mit Verspätung) bin ich auf einem der größten Flughäfen der Welt angekommen, um festzustellen, wie übersichtlich der Flughafen ist. Nachdem ich mich im Vorfeld mit Mirko an der nächst-größeren Subway-Station verabredet hatte, und mit dem flughafeneigenen Skytrain eine Fahrt hinter mir hatte, die in einer mittleren Großstadt eine Stadtrundfahrt bedeutet hätte, kam ich also an der Station „Howard Beach“ an. Nach einigem SMS Kontakt mit Mirko wurde mir eine rel. kurze Wartezeit angekündigt, die ich in der klimatisierten Halle der Station absaß und dabei den Einweisern vor Ort bei ihrem nimmermüden Versuch zuschaute, den ankommenden, geistig nicht mehr aufnahmefähigen Touristenscharen die Bezahlung des Skytrains und die Weiterreise zu erläutern. Als mir das Läuten fehlerhaft bedienter Terminals(alle Subways werden hier durch so eine Art Schleuse betreten) anfing, auf die Nerven zu fallen, tauchte zum Glück Mirko auf und nach kurzer Einweisung in den örtlichen Personennahverkehr fanden wir zu einander. Nach herzlicher Begrüßung begaben wir uns auf den Bahnsteig der Subway, die dort oberirdisch fährt. Mein erster Eindruck: Man, ich habe noch nie so eine lange Strecke gesehen, die geradeaus führt… 2. Ist ja doch recht warm hier.

Das Abendprogramm(den Jetlag hab ich zum Glück nicht mitbekommen) war mit Grillen auf dem Balkon von Martins&Mirkos Chef mit einer hervorragenden Aussicht auf Down- und Uptown Manhattan und gemütlichen zusammensein mit Amerikanern ein gelungener Einstieg meines 8-tägigen Besuchsmarathons. Nach einer schier endlosen Tour durch Brooklyn auf dem Rückweg mit meinem Rollkoffer im Schlepptau kamen wir in der beschaulichen Bude der beiden an, die, wie schon erläutert, ein typisch amerikanischen Rauchgeruch in sich barg. Das gute Habitat ist mit einer Klimaanlage, die Martin professionell eingebaut und angeschlossen hat(erstaunlich für einen Wirtschaftsstudenten), ausgestattet.  Zum Glück, wie es sich bei Außentemperaturen von über 30°C nachts um 2:00 Uhr herausstellte.

Das bescheidene Heim

Der nächste Tag begann mit dem schon erwähnten Standard-Touristenprogramm mit Downtown, Statue of liberty usw. Zu Beginn unserer Tour, auf dem Weg zur Subway, mein erster Eindruck: Oh, ist aber doch recht warm hier, gut das wir gleich im kühlen U-Bahn Tunnel (Die Tunnels in der heimischen U-Bahn sind selbst im Sommer schön kühl) sind. Der Abstieg in den Untergrund sollte mich eines Besseren belehren. Dass die Subways hier klimatisiert sind, hat zwar für den Reisenden immense Vorteile, doch die Abwärme der Züge heizt die Tunnel dermaßen auf, dass das Warten auf den nächsten Zug einem Wüstenmarsch in Winterkluft gleicht.

Der doch sehr ereignissreiche Tag endete mit einem Besuch in einer ausgesuchten „Kneipe“, bei dem Martin beim Hula-Hoop Contest seine Konkurrenz alt aussehen ließ.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von „Green Hornet“, dem Fahrrad, dass mir Martins&Mirkos Chef Chris freundlicher Weise für die Dauer meines Aufenthalts zur Verfügung stellt. Das damit erkundete hippe Viertel Williamsburg war jeden Kilometer der Reise wert und führte zu der Frage, ob Chris die Vorteile von Kettenöl noch nicht kennengelernt hat. Nach einer kurz und schmerzlos initiierten Aktion „Pimp my bike“ waren die kommenden Radtouren eine ware Wonne und ich hoffe ich und „Green Hornet“ werden noch weitere Abenteuer bestehen.

Freitag stand ausser ein wenig Shopping Programm bei mir eine Party von Francis, einem ehemaligen Mitbewohner von Mirko und Martin, auf dem Programm. Der nun in einer interessanten „Wohnung“ residierende Francis und seine Mitbewoher empfingen uns bestgelaunt und mit kaltem Bier. Der Abend war gerettet. In dem großen Zimmer der WG angekommen, stellten wir fest, dass ausser dem kalten Bier auch noch jede Menge warmer Luft vorhanden war. Warm ist in diesem Fall eine doch eher verharmlosende Beschreibung des Zustands. Überstanden haben wir es trotzdem, auch dank der Abkühlung im Bierkühler…

Da kam der gestrige Tag mit einem Besuch am Strand dem mittlerweile fast an die Hitze gewöhnten New York Touristen doch schon sehr recht. Die stehte Brise machte die warme Luft zu einem erträglichen, föhnähnlichen Wind.

Heute war der mit Abstand wärmste Tag, den Mirko und ich versuchten, bei interssanter Mucke im Central Park zu verbringen.  Da der Platz vor der Bühne gefühlte Temperaturen von mehr als 40°C versprach, entschieden wir uns für einen bühnennahen Ort unter den Bäumen.

Hier der Central Park:

Fazit zu den bisher verbrachten Tagen: Interessante Stadt, viel zu gucken und zu erleben.

Und ich war mir bisher nie über die Bedeutung einer gut funktionierenden Klimaanlage bewusst. DANKE für diese Erfindung. Irgendwann hat man sich auch an das ständige „Warm, Kalt, Warm, Kalt, Warm…“ gewöhnt.

Vorfreude

12. Juli 2008

Ich konnte es vor wenigen Tagen kaum selber glauben, aber es ist tatsächlich wahr:

Die mMn drei weltbesten Basssisten kommen nach New York und geben ein gemeinsames Jazz-Funk-Konzert…und das für nur 30 Dollar, Praise the Lord!!

Insbesondere Victor Wooten ist einfach der Obergott, wer mal einen kleinen Einblick bekommen möchte, dem sei dieses Video ans Herz gelegt:

A Day Off

19. Juni 2008

Auf der Arbeit ist zur Zeit wenig bis gar nichts los, unsere beiden Cheffes sind unterwegs und somit haben wir kurzerhand einen Tag freigenommen.

Zunächst sind wir zum Staten Island Ferry Terminal gefahren: Die Fähre pendelt zwischen dem Südzipfel Manhattans und Staten Island im 30-Minuten-Rhythmus. Und jetzt kommt’s: Sie ist kostenlos. Und das in New York!

Das unvermeindlichste aller unvermeindlichen Touristenfotos:

Ein Mann mit Herz:

Icke, im Hintergrund Manhattan:

Wer wohnt da nur so ganz allein?

Danach fuhren wir noch nach Chinatown um in ein original chinsesisches Nudelrestaurant einzukehren. Nachdem wir etwas verplant eine Minute drinnen standen und das „I’m a goddamn tourist“-Schild über unseren Köpfen zu leuchten begann, wurden wir von einer freundlichen jungen Dame in die Gepflogeheiten dieser Gastwirtschaft eingeführt:

Man geht also zum ersten Tresen und sucht sich nach der Nudelwahl aus einem Sammelsurium aus Fleisch (laut Karte u.a. auch Magen und Zunge), Fisch und Meeresgetier und -geglibber (zum Teil nicht zu bestimmen, es hat auf jedenfall Mal gelebt) und Grünzeug seine Toppings aus.

Nun geht man weiter und lässt das ganze mit einer Brühe übergießen und würzen.

Zuguterletzt bezahle man natürlich noch und setze sich mit seinem Tablett an einen Tisch. Da das Chinesenenglisch „sehr interessant“ ist, und die junge Dame soviele Toppings wie möglich an den Mann bringen wollte (kostet je 1,50) hatte ich neben meinen regulär gewählten Ingridenzien auch zwei nicht näher bestimmbare: Zum einen Elemente aus Tintenfischen oder Artverwandten, zum anderen mutmaßlich Teile aus dem innersten des Rindes…

Während des Essens haben Martin und ich uns passenderweise noch über heimische Blut- und Leberwurstproduktion, Innereien im Allgemeinen und Sülze im Speziellen unterhalten. Martin hat nämlich ganz früher auf einem Bauernhof das Schlachten und Verarbeiten live mitbekommen und war somit auch der Experte beim sezieren des Essens.

Die chinesischen Baptisten sind am Start:

Der 16,109-Euro-Cent-Laden (den heutigen Wechselkurs zu Grunde gelegt):

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Zum Schluss ging es noch kurz nach Soho und der amerikanische Sneaker-Gott hat mich endlich von seinem Fluch befreit: Nach geschätzten zehn Versuchen waren endlich einmal Schuhe, die mir gefallen haben, in der passenden Größe vorrätig. Juhu.

The Funky Meters (Update: Bilder sind angekommen!)

2. Juni 2008

Haben vorgestern das Haus gerockt, aber wie!!

Doch der Reihe nach: Der Erwerb von Karten für den BB King Blues Club ist schwieriger als man denkt. Die diversen Vorverkaufsstellen haben nur eine beschränkte Auswahl, selbst wenn man zu einer Filiale eines großen Anbieters wie Ticketmaster fährt, der im Internet die passenden Karten anbietet, wird einem dann an der Kasse unterbreitet, dass es nur Karten für diesen Stadtteil gibt. Doch nach mehreren erfolglosen Versuchen, diversen Telefonaten und Herumirrens habe ich die Karten direkt im Club am Times Square erstanden. Ein hierbei erhaschter Blick in den Club ließ meine Vorfreude steigen: Sehr geschmackvoll eingerichtet, coole Bar, roter Samt…

Gestern abend fuhr ich dann also über Queens nach Manhattan zur 42nd Street/Times Square. Ist es dort schon tagsüber voll, so multipliziert sich die Touristenarmada nachts noch einmal um ein vielfaches. In Verbindung mit der allgegenwärtigen Neon-Reklame und Riesenleinwänden (die Reperbahn ist ein kleiner Fliegenschiss dagegen) ist der Gebrauch von Sonnenbrille und MP3-Player drigend angeraten (ich hatte nur letzteren dabei, nächstes mal bin ich besser vorbereitet).

Als ich mich dann zum Club durchgekämpft hatte, war ich ob der fehlenden Schlange und der ebenso fehlenden Leibesvisitation angenehm überrascht und trat ein. Die Vorband war schon am spielen und die meisten Leute saßen noch im hinteren Teil. Ich gesellte mich zu den ca. 30 Partypeople, die schon zum Teil am tanzen waren, direkt vor die Bühne. Die Band spielte partytauglichen Blues, insbesondere der Keyborder wusste zu gefallen und flog beim solieren wie der leibhaftige Evel Knievel über die Tasten.

Nachdem die Vorband ihr Set beendet hatte, kam ich mit dem asiatisch aussehenden jungen Mann neben mir ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er Jonathan heißt, alten Funk über alles liebt und auch Bassist ist. Somit war eine überaus fruchtbare Gesprächsgrundlage im nu geschaffen. Wir quatschten also die nächste halbe Stunde, während sich der Auftriit der Meters immer mehr verzögerte.

Und dann kam der große Augenblick. Bassist und Sänger George Porter Jr. betrat unter lautem Jubel die Bühne, in seiner Hand den verranztesten Fender Precision Bass, den ich je gesehen habe. Aber wie schon James Jamerson sagte: The dirt keeps the funk. Sein Ton war dann auch, wie sollte es anders sein, in Kombination mit seinem SVT Tube Top, über alles erhaben. Und ich stand nur 1,5 Meter von ihm und 3 Meter von seinem Amp entfernt – Glücksgefühle pur.

Der Rest der Band trudelte schließlich auch noch nacheinander ein und dann folgten 2 Stunden des besten Funks, den man sich vorstellen kann. Lustiges Detail am Rande: Beim ersten Ton zogen um mich herum auf einmal viele Leute kleine Pfeifen bzw selbstgdrehte kleine Stummel heraus und süßlich-würzige Wolken waberten durch den Raum. Ich habe jedenfalls vorher noch nie so viele Ü40er kiffen sehen, und das in einem Raum, in dem rauchen verboten ist/in einem Land, dass recht empfindliche Strafen verhängt.

Die Stimmung war von der ersten Minute an super, alle tanzten und sangen und hatten sich lieb. Porter spielte eine Hammer-Basslinie an nach anderen, und führte als Bandleader die Band durch die Setlist. Zusammen mit dem ebenfalls unglaublich guten Drummer bildeten die beiden ein supertightes Fundament auf dem sich dann Hammond-Orgel und Gitarre austoben konnten.

Die letzte Skurrilität des Abends trug sich ganz am Ende des Konzerts zu. Eine angetrunkene Mitte-30-New-Yorkerin begann auf einmal auf mich einzureden. Die Musik war relativ laut und sie relativ betrunken, von daher habe ich nur ungefähr die Hälfte verstanden. Sie meinte auf jeden Fall es ihrem Ex-Freund heimzahlen zu müssen (ya know i gotta pay him back blablabla), der auch auf das Konzert gekommen war und vor ihren Augen mit seiner Neuen rumknutschte. Wenn meine Ohren mich nicht betrogen haben, war sie dem Geschlechtsverkehr mit öffentlichem Vorspiel nicht abgeneigt und wollte außerdem nach dem Konzert noch was trinken gehen (you’re so cute blablabla).

Ich lehnte dankend alles ab und dann war das Konzert auch schon zu Ende…schönen Dank auch für das versauen der letzten zehn Minuten…

Ich habe dann noch ein Getränk mit Jonathan eingenommen und bin abschließend mit der Bahn nach Hause. Diesen Abend werde ich jedenfalls nicht so schnell vergessen, mal gucken was der nächste Abend im BB King Blues Club bringt…im Juni kommt mit George Clinton (and the P-Funk Allstars) ein weiteres Funk Urgestein dort vorbei. Jonathan und ich haben uns auf jeden Fall verabredet…

Leider habe ich noch nicht die versprochenen Fotos von Jonathan geschickt bekommen, von daher gibt es vorläufig erstmal nur The Meters bei Youtube: