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Visa – Impressionen eines Klugscheißers

22. April 2008

Die Schwierigkeit im Bekommen eines Visums für das Land der großen Freiheit liegt eigentlich nur darin alles so zu machen, wie man es gesagt bekommt (auch bekannt als Forrest Gump Methode). Man sollte verstehen, dass ein Land wie die USA ihre Visa nicht verschenken können, denn sie haben ja schließlich das was alle wollen: Freiheit.

Es scheint also nur logisch, dass dieses prominente Land seine Freiheit schützen möchte – vor allem gegen langhaarige Bombenleger wie meinen Mitreisenden. (Um ehrlich zu sein muss ich gestehen, dass ich ihm auch erstmal kein Visum ausgestellt hätte.) Warum es bei mir so einfach war mit dem Visum:

  1. Berlin – Im Gegensatz zu München sind die Konsularbeamten freundlich und sprechen Deutsch.
  2. Hemd – Ein weißes in die Hose gestecktes Hemd zeigt, dass man keine bösen Absichten hat. Wer außerdem im Umgang mit einem Nassrasierer geschult ist, hat noch bessere Karten.
  3. Pünktlichkeit – Eingeweihte wissen, dass man schon um 7.30 Uhr in die Botschaft gelassen wird und dann nicht warten muss, da von den 5 anderen die auch so früh da sind die Hälfte eine Waffe mit sich führt (also ein Mobiltelefon, nen Rucksack, ne schwere Jacke oder nen Gürtel).
  4. Gründlichkeit – Der gut vorbereitete Antragssteller hat seine Unterlagen vollständig und gründlich exakt nach der Anleitung ausgefüllt, wodurch quasi keine Wartezeiten in der Botschaft entstehen. In Berlin wird man auch mit seinem Namen aufgerufen (kein Nummern ziehen). Es hat sich gezeigt, dass dabei nicht arabische Namen durchaus von Vorteil sein können.
  5. Verständnis – Wenn man an der amerikanischen Freiheit teilhaben möchte, dann muss man verstehen, dass diese nicht verschenkt werden darf. Die Feinde dieser Freiheit sind überall, nicht nur im nahen Osten, Kuba, Venezuela oder Nordkorea. Deshalb ist es nur verständlich, wenn man nach seinem und dem politischen Hintergrund der letzten fünf Generationen gefragt wird und seine Fingerabdrücke hinterlegen muss.
  6. Lächeln – Wer freundlich guckt, der kann der Freiheit nichts böses wollen und dem werden auch keine Steine in den Weg gelegt. Da nickt selbst der (zum Schutz der Freiheit) bis unter die Zähne bewaffnete GI freundlich zurück beim Betreten der Botschaft.
  7. Glück – Der junge und gut aussehende (räusper) Deutsche hat das Glück an eine hübsche, freundliche und hilfsbereite Konsularbeamtin zu geraten, welche keine Steine in den Weg legen möchte. Deshalb stellt sie auch nur drei Fragen, wofür sie knapp ne Minute braucht und dann kurz und nett sagt: „Ihr Visum wurde genehmigt.“
  8. Affiliation – Im Extremfall kann es auch mal dienlich sein ein Base cap von den NY Yankees zu tragen oder auch Star-spangled Banner zu summen.

Nach zwei Tagen liegt dann das Visum im Briefkasten, gültig bis 2018, welches zur mehrfachen unbegrenzten Einreise befähigt. Das war einfach.

Visa – die Freiheit nehm’ ich mir….

18. April 2008

…hieß es früher mal in einem Werbespot. Wenn es jedoch um den Erwerb eines amerikanischen Visums geht, erhält der Slogan eine ganz neue Bedeutung.

Um die Speerspitze der Freiheit und Demokratie zu bereisen, fülle der geneigte Reisende zunächst in mehrstündiger Arbeit mehrere Formulare aus. Reiseziele der letzten zehn Jahre sollten mit genauem Datum bekannt sein, ebenso wie die Arbeitgeber mit Adresse und Ansprechpartner im selben Zeitraum. Etwaige Sprengstoffkenntnisse, kommunistische und nationalsozialistische Verbindungen sind zu verneinen.

Weiterhin überweise man über 100 Dollar sowie eine Onlineregistrierungsgebühr um einen Termin bei einem der drei deutschen Konsulate zu erhaschen. Man akzeptiere, dass nur noch Termine am frühen Morgen verfügbar sind, und frohlocke ob der Zugfahrt um sechs Uhr in der Früh. Am Zielbahnhof angekommen begebe man sich unmittelbar zu den Schließfächern und fülle eines davon mit Handy, MP3 Player, seinem Gürtel und ähnlichen, zur Verübung eines terroristischen Anschlages geeigneten Gegenständen. Diese sind im Konsulat verboten und können dort auch nicht deponiert werden.

Ist der trotz allem gut gelaunte Proband an der Botschaft angekommen, muss er trotz Termins eine Viertelstunde vor der Fort Knox ähnlichen Festung unüberdacht in der Kälte warten, ständig beäugt von einem bewaffneten Schnurbärtigen, dessen Grimmigkeit mit seiner Körperfülle eindeutig positiv korreliert.

Im ersten Bunker angekommen, lasse man eine flughafenähnliche Leibesvisitation über sich ergehen und verneine den Besitz jeglicher electronic devices. Nach der nächsten Schleuse erwartet einen zur Belohnung ein sakraler Ort mit dem 70er Jahre Charme eines deutschen Amtes, verkleidet mit geschätzten zehn Tonnen Stahl vor den Fenstern. In guter Amtsmanier ziehe man eine Nummer und warte. Danach warte man noch ein wenig mehr und dann noch ein kleines bisschen und schließlich wird die eigene Nummer aufgerufen und man darf seine gesammelten Unterlagen einreichen und Abdrücke aller zehn Finger nehmen lassen. Danach nehme man wieder Platz und warte auf den erneuten Aufruf seiner Nummer.

Sobald dieser erfolgt setze man eine erfürchtig-freundliche Miene auf und krieche zur Lebensbeichte vor die Konsularin. Keinesfalls erschrecken sollte man, wenn man dann in das Gesicht von Queen-Mum blickt. Sind die Fragen auf Englisch nach dem Begehr, dem woher, wohin und warum geklärt, lasse man sich keinesfalls schocken von ihrer Feststellung, dass man sie leider nicht überzeugt habe und sie deshalb kein Visum ausstellen könnte. Auch das desinteressierte I’ll check it, als Reaktion auf den Verweis, dass der Mitreisende in der Vorwoche schon sein Visum in Berlin erhalten hat, sollte keinen Anlass zur Sorge bereiten. Südstaaten-Nazi-Omas mögen ja bekanntlicherweise langhaarige, bärtige Studenten.

Fröhlich beschwingt setze man sich gegen Mittag dann also wieder in den Zug gen Heimat und erquicke sich an den grünen Auen. Die nächsten Tage genieße man weiterhin sein Leben und verschwende keinen Gedanken an die geplante Reise. Man gehe dann am Ende der Woche zu seinem Briefkasten und entnehme mit größtmöglicher Lässigkeit den innen liegenden Umschlag mit Pass und dem, ohne weiteren Kommentar versehenen, angefügten Visum.

Schließlich hat man keine Sekunde daran gezweifelt.