Burning down the house…

By tuesdaysuckz

Montags könnt ich kotzen – und das lag im gestrigen Falle nicht etwa an dem stattfindenden französischem Nationalfeiertag an dem niemand mit mir die Marseillaise singen wollten, sondern an einem Ereignis das sich, wie folgt, zugetragen hat:

Es ist morgens halb zehn Uhr als ich mich auf den Weg zur – nennen wir es mal Arbeit – begeben habe. Zu diesem Zeitpunkt war die einzige Tragödie die mich beschäftige wohl der noch nicht abgeklungene Regen und die nasse Strasse. Was ich nicht wissen konnte, war, dass Mirko nach meinem Verlassen des Hauses noch schnell die Sonnenblumenkerne gewässert hat, damit wir am Abend davon ein Brot backen können – das wohl beste Brot zwischen Aachen und Görlitz (wenn man sich in westlicher Richtung fortbewegt).

An dieser Stelle würde ich jetzt gerne von einem ereignisreichem Arbeitstag berichten, aber Fehlanzeige. Wir haben zum ersten mal ein richtige Praktikantenaufgabe erledigt, als wir 26 nagelneue HD Kameras ausgepackt und dann in 26 nagelneue Kamerataschen gepackt haben. Als sich der glorreiche Tag dann zum Ende neigte, sagte mir der Mirko, dass ich schonmal das Brot vorbereiten soll, während er sich den Bizips trainiert. Ich erhob Einspruch, in der Annahme, dass keine Sonnenblumenkerne zur Verfügung stehen – er klärte mich über meine falsche Annahme auf.

Zu Hause angekommen, machte ich einen Teig aus unserer Sauerteigkultur und Vollkornweizenmehl und den Sonnenblumenkernen und formte ein Brot daraus. Damit der Teig besser garen kann, muss er an einen warmen Ort gestellt werden und dort mindestens 2 Stunden verweilen. Dazu heizen wir immer den Backofen kurz an und schalten ihn schnell wieder aus, damit der Teig optimale Wachstumsbedingungen hat. Die erste Stunde verlief für den Teig in seiner Plastikschüssel zugedeckt von einem weißen Handtuch völlig Vorkommnissfrei. Um kurz vor acht Uhr wollten wir uns auf den Weg zu einem Konzert der New York Philharmonie im Prospect Park machen. Ich fühlte nochmal schnell die Temperatur im Ofen und empfand sie als zu kalt. Also machte ich den Ofen nochmal schnell an, direkt auf 300 Grad Celsius, um ihn nach meinem Toilettengang wieder auszuschalten.

Letzterer Vorgang fand allerdings nicht statt, und in der Konsequenz wurde es dem Teig wohl ziemlich schnell heiß. Diesen Umstand bemerkten weder ich noch der Mirko und wir machten uns auf in den Park, wo wir Bach und Beethoven zu Hören bekamen und im Anschluss daran ein sehr nettes Feuerwerk – und das alles für umsonst. Auf dem Heimweg nutzte ich meine Ortskenntnis, um schneller zu Hause zu sein als Mirko. Ich schloss die Tür auf und sah erstmal gar nix. Für einen Moment dachte ich, dass unsere Vermieter endlich die zweite Tür eingebaut haben, doch dann fiel mir das Brot ein. Ich holte tief Luft und tastete mich zur Küche um dort den innen brennenden Ofen zu finden. Ich schaltete den Ofen aus und tastete mich weiter zur Hintertür, um diese zu öffnen und erstmal ordentlich zu Husten.

Als Mirko ankam stellten wir fest, dass der Rauch durch jede Ritze gezogen war und das ganze Haus im Nebel versank. Als wir die Fenster öffneten zogen riesige Rauchschwaden auf die Strasse. Wir verbrachten die halbe Nacht damit den Rauch aus dem Haus zu kriegen und die Wohnung zu schrubben. Außerdem haben wir schonmal angefangen unsere Wäsche zu waschen, welche vollständig geräuchert wurde. Am nächsten morgen stellten wir dann fest, dass sich der Rauch nur in unserer Wohnung in sämtliche Möbel gefressen hat und die oberen Etagen relativ verschont blieben. Wir werden versuchen den Geruch innerhalb der nächsten Wochen zu bekämpfen…

Die Plastikschüssel ist ohne Reste zu hinterlassen verbrannt und das Handtuch auch. Nur das Brot war, trotz einer 2 cm dicken Kruste im Kern von beeindruckender Qualität – schade drum.

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