Archiv für Juli 2008

(Sir Psycho Sexy)²

30. Juli 2008

A long, long, long, long time ago
Before the wind, before the snow
Lived a man, lived a man I know
Lived a freak of nature named Sir Psycho

Sir Psycho Sexy that is me
Sometimes I find I need to scream (Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaah)

He’s a freak of nature
But we love him so
He’s a freak of nature
But we let him go

[...]

(Sir Psycho Sexy – Red Hot Chili Peppers)

Free Your Mind…And Your Ass Will Follow

27. Juli 2008

Unter diesem Albumtitel von Funkadelic aus dem Jahre 1970 stand wohl auch das Motto eines der abgefahrensten Konzerte, dessen ich je beiwohnen durfte:

George Clinton and the P-Funk Allstars spielten live in New York

Wer ist George Clinton und was ist P-Funk werden sich jetzt einige fragen. Nun, George Clinton kann man wohl als einen der ganz großen Päpste in der Geschichte des Funk bezeichnen und auch generell als einen der einflussreichsten Musiker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aktiv ist „Dr. Funkenstein“ seit 1955 (!) und geht mittlerweile auf die 70 zu, auch das ein Grund mehr ihn noch einmal live zu sehen, wer weiß wie lange er noch durchhält…In den 60ern  war er u.a. als Songwriter für das legendäre Motown Label tätig, danach gründete der die Bands Funkadelic und Parliament, und erfand mit diesen sozusagen den P-Funk. Hierbei kommen auch härtere, z.T. verzerrte Gitarren zum Einsatz, außerdem führt er den Sprechgesang in den Funk ein. Somit ist er nicht nur Wegbereiter für den Crossover sondern auch für den Hip-Hop. Bis heute verwenden Hip-Hopper Material von George Clinton, er gilt als einer der meistgesampelten Musiker überhaupt.

Doch nicht nur als Songwriter und Sänger ist Clinton erfolgreich, er produziert auch viele Bands, u.a. das Freaky Styley Album der Red Hot Chili Peppers.

Doch die geneigten Leser sollen nicht mit zu vielen Details an dieser Stelle genervt werden, fest steht, dass dieser Mann eine lebende Legende ist und meine Vorfreude auf dieses Konzert unbeschreiblich groß war. Da Martin sich nichts aus Funk macht, war ich also mal wieder alleine Richtung BB King Blues Club unterwegs.

Nach einem äußerst langsam verlaufenden Soundcheck passierte erstmal nichts. Dann kamen Rowdies und Bandmitglieder im zehn Minuten Abstand auf die Bühne, legten hier ein Handtuch hin, stellten dort eine Flasche Wasser hin oder stimmten die Gitarre zum dritten mal.

Somit hatte ich ausführlich Zeit mir das Equipment anzuschauen, und die schiere Masse an Krempel ließ Großes erwarten: Es befanden sich ein Keyboard plus Orgel, ein Schlagzeug, ein Bassverstärker, fünf Gitarrenverstärker, 2 Bläsermikros, 8 Gesangsmikros und ein Sythesizer auf der Bühne.

Dann ging es endlich los, zunächst eröffneten „nur“ zehn Musiker das Set, doch wo blieb nur George? Nach und nach trudelten immer mehr Musiker auf  der Bühne ein und drei Lieder später betrat dann der Meister  unter frenetischem Applaus die Bühne, die mittlerweile mit ca 25 Musikern gut gefüllt war.

Danach folgten drei Stunden puren Wahnsinns. Die Lieder der Alben dienten lediglich als grobes Muster und jeder Song wurde auf mindestens zehn Minuten ausgedehnt, und mittendrin George Clinton, der das ganze Chaos auf der Bühne gutgelaunt managte und seine Mitmusiker durch das Set dirigierte. Umso erstaunlicher, dass es keine erkennbaren Pannen gab, wurden doch auf der Bühne fleißig Kräuterzigaretten konsumiert – und auch hier allen voran: George Clinton.

Habe ich schon erwähnt, dass George gelernter Frisör ist? (kein Scherz)

Bigdaddy in Action:

Eine der Damen vom Background

Was für eine Stimme…

Der gewindelte Gitarrist…

Die Musiker wechselten sich während des Konzerts immer ab, wer Lust hatte spielte mit, wer eine Pause brauchte verschwand hinter Bühne (um kurz darauf mit nochmals deutlich zugeschwolleneren Augen wieder mitzumachen). Wer gerade keinen freien Amp oder ein freies Mikro fand, tanzte oder teilte sich mit anderen ein Mikro. Im Schnitt befanden sich immer zwischen zwanzig und dreißig Leute auf der Bühne – was für ein Spaß. Die Stimmung war einfach super, alle tanzten und sangen und auch George Clinton ging bis auf zwei kleinere Pausen über die volle Distanz, wofür ich hiermit meinen virtuellen Hut ziehe…mit 67 noch so Party zu machen ist einfach sensationell.

Die drei Stunden vergingen jedenfalls wie im Flug und als die Lichter angingen musste ich erstmal dem lieben Herrgott für dieses Erlebnis danken. Dass mich dann auf dem Rückweg mal wieder die New Yorker Subway natzte ist eine andere Geschichte und gehört nicht hier hin. Todmüde und mit kaputtgetanzten Beinen fiel ich dann ins Bett um in einen komatösen 5stündigen Schlaf zu fallen, am nächsten Morgen hieß es schließlich arbeiten…

Wer noch einen weiteren kleinen Eindruck bekommen möchte, kann sich das frisch geschnittene Flipcam-Video angucken (man beachte auch die Obama Wahlkampfwerbung):

Two Random Facts

25. Juli 2008

Die Werbung hat hier, noch vor Fußböden und Toiletten, die Kinder als Bazillenherd und somit Bedrohung der nationalen Gesundheit ausgemacht. Daher wird der besorgten Mutter im TV nahegelegt, die lieben Kleinen doch mit der großzügigen und regelmäßigen Anwendung von Sanitizer-Schaum endlich zur keimfreien Glückseligkeit zu verhelfen.

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Wurden bisher traditionell zwei Typen der Fettverteilung unterschieden (Birnenform, d.h. Fett überwiegend an den Hüften, Schenkeln, Po, meistens bei Frauen, sowie Apfelform, d.h. Fett v.a. am Bauch, meistens bei Männern), so muss hier ein dritter Typus hinzugefügt werden.

Politisch korrekt müsste man die Betroffenen wohl Genetically Challenged African American Mamas nennen. In freier Wildbahn konnten schon einige maximalpigmentierte Weibchen mit Hintern gesichtet werden, die jeden Kleinwagen bei einem Crash absolut plätten würden.

Somit erklärt sich auch die Vorliebe der Amerikaner für SUVs.

Erstaunlicherweise sind jedoch, bezogen auf das Gesamtgewicht, die anderen Körperteile relativ normal dimensioniert.

Wie diese bisher noch ungenutzten Fettreservoire genutzt werden könnten wird derzeit von einem Zusammenschluss aus Ärzten und Lebensmitteltechnikern der größten Fastfoodketten untersucht.

Summer in THE City

21. Juli 2008

Als Besucher unserer beiden USA Veteranen will ich es mir an dieser Stelle nicht entgehen lassen, einen Gastkommentar zu verfassen oder dies zumindest zu versuchen.

Nach acht Stunden Flug vom Flughafen Düsseldorf  (natürlich startete der Flug mit Verspätung) bin ich auf einem der größten Flughäfen der Welt angekommen, um festzustellen, wie übersichtlich der Flughafen ist. Nachdem ich mich im Vorfeld mit Mirko an der nächst-größeren Subway-Station verabredet hatte, und mit dem flughafeneigenen Skytrain eine Fahrt hinter mir hatte, die in einer mittleren Großstadt eine Stadtrundfahrt bedeutet hätte, kam ich also an der Station „Howard Beach“ an. Nach einigem SMS Kontakt mit Mirko wurde mir eine rel. kurze Wartezeit angekündigt, die ich in der klimatisierten Halle der Station absaß und dabei den Einweisern vor Ort bei ihrem nimmermüden Versuch zuschaute, den ankommenden, geistig nicht mehr aufnahmefähigen Touristenscharen die Bezahlung des Skytrains und die Weiterreise zu erläutern. Als mir das Läuten fehlerhaft bedienter Terminals(alle Subways werden hier durch so eine Art Schleuse betreten) anfing, auf die Nerven zu fallen, tauchte zum Glück Mirko auf und nach kurzer Einweisung in den örtlichen Personennahverkehr fanden wir zu einander. Nach herzlicher Begrüßung begaben wir uns auf den Bahnsteig der Subway, die dort oberirdisch fährt. Mein erster Eindruck: Man, ich habe noch nie so eine lange Strecke gesehen, die geradeaus führt… 2. Ist ja doch recht warm hier.

Das Abendprogramm(den Jetlag hab ich zum Glück nicht mitbekommen) war mit Grillen auf dem Balkon von Martins&Mirkos Chef mit einer hervorragenden Aussicht auf Down- und Uptown Manhattan und gemütlichen zusammensein mit Amerikanern ein gelungener Einstieg meines 8-tägigen Besuchsmarathons. Nach einer schier endlosen Tour durch Brooklyn auf dem Rückweg mit meinem Rollkoffer im Schlepptau kamen wir in der beschaulichen Bude der beiden an, die, wie schon erläutert, ein typisch amerikanischen Rauchgeruch in sich barg. Das gute Habitat ist mit einer Klimaanlage, die Martin professionell eingebaut und angeschlossen hat(erstaunlich für einen Wirtschaftsstudenten), ausgestattet.  Zum Glück, wie es sich bei Außentemperaturen von über 30°C nachts um 2:00 Uhr herausstellte.

Das bescheidene Heim

Der nächste Tag begann mit dem schon erwähnten Standard-Touristenprogramm mit Downtown, Statue of liberty usw. Zu Beginn unserer Tour, auf dem Weg zur Subway, mein erster Eindruck: Oh, ist aber doch recht warm hier, gut das wir gleich im kühlen U-Bahn Tunnel (Die Tunnels in der heimischen U-Bahn sind selbst im Sommer schön kühl) sind. Der Abstieg in den Untergrund sollte mich eines Besseren belehren. Dass die Subways hier klimatisiert sind, hat zwar für den Reisenden immense Vorteile, doch die Abwärme der Züge heizt die Tunnel dermaßen auf, dass das Warten auf den nächsten Zug einem Wüstenmarsch in Winterkluft gleicht.

Der doch sehr ereignissreiche Tag endete mit einem Besuch in einer ausgesuchten „Kneipe“, bei dem Martin beim Hula-Hoop Contest seine Konkurrenz alt aussehen ließ.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von „Green Hornet“, dem Fahrrad, dass mir Martins&Mirkos Chef Chris freundlicher Weise für die Dauer meines Aufenthalts zur Verfügung stellt. Das damit erkundete hippe Viertel Williamsburg war jeden Kilometer der Reise wert und führte zu der Frage, ob Chris die Vorteile von Kettenöl noch nicht kennengelernt hat. Nach einer kurz und schmerzlos initiierten Aktion „Pimp my bike“ waren die kommenden Radtouren eine ware Wonne und ich hoffe ich und „Green Hornet“ werden noch weitere Abenteuer bestehen.

Freitag stand ausser ein wenig Shopping Programm bei mir eine Party von Francis, einem ehemaligen Mitbewohner von Mirko und Martin, auf dem Programm. Der nun in einer interessanten „Wohnung“ residierende Francis und seine Mitbewoher empfingen uns bestgelaunt und mit kaltem Bier. Der Abend war gerettet. In dem großen Zimmer der WG angekommen, stellten wir fest, dass ausser dem kalten Bier auch noch jede Menge warmer Luft vorhanden war. Warm ist in diesem Fall eine doch eher verharmlosende Beschreibung des Zustands. Überstanden haben wir es trotzdem, auch dank der Abkühlung im Bierkühler…

Da kam der gestrige Tag mit einem Besuch am Strand dem mittlerweile fast an die Hitze gewöhnten New York Touristen doch schon sehr recht. Die stehte Brise machte die warme Luft zu einem erträglichen, föhnähnlichen Wind.

Heute war der mit Abstand wärmste Tag, den Mirko und ich versuchten, bei interssanter Mucke im Central Park zu verbringen.  Da der Platz vor der Bühne gefühlte Temperaturen von mehr als 40°C versprach, entschieden wir uns für einen bühnennahen Ort unter den Bäumen.

Hier der Central Park:

Fazit zu den bisher verbrachten Tagen: Interessante Stadt, viel zu gucken und zu erleben.

Und ich war mir bisher nie über die Bedeutung einer gut funktionierenden Klimaanlage bewusst. DANKE für diese Erfindung. Irgendwann hat man sich auch an das ständige „Warm, Kalt, Warm, Kalt, Warm…“ gewöhnt.

1000 Big Boys…

19. Juli 2008

Man kann in New York wirklich für sehr viele Dinge Geld ausgeben. Für die Wohnung zum Beispiel, unser bescheidenes Heim kostet die Kleinigkeit von 1500 Dollar.  Am Mittwoch war ich in einer Manhattan-Wohnung von der Größe einer Briefmarke, die nicht weniger als 2000 grüne Scheine im Monat kostet. Außerdem kann man hier gut und gerne für einen schlechten Fingerhut voll Wein mal eben 12 Dollar ausgeben oder für ein bißchen Butter 5 Scheine lassen. Naja, das alles wird jedoch von meiner heutigen Investition getopt.

Zur Vorgeschichte: Am 4. Januar 2005 bin ich mit meinem schicken BMX von einer grandiosen Recht-Vorlesung in meine WG gefahren. Auf dem Weg zur Mainstreet in Midtown Ilmenau rutschte ich jedoch vom Pedal und in der Folge verhedderten sich meine Hände in den Bremskabeln, woraufhin das Fahrrad stoppte, ich aber im hohen Bogen über den Lenker flog und dank meiner nicht einsatzfähigen Händen mit dem Gesicht den Asphalt vermaß. Als ich dann im Krankenhaus, genauer gesagt im Computertomograph, wieder zu mir kam, war meine Lippe zerfetzt, mein Kiefer beschädigt, und verschiedene Zähne nicht mehr vorhanden oder abgebrochen. Im folgenden halben Jahr habe ich dann viel Zeit bei Kieferchirurgen und meiner Zahnärztin verbracht. Diese sagte mir dann auch, dass ich wahrscheinlich früher oder später Probleme mit der ein oder anderen Krone bekommen könnte, bei denen die Nerven nicht entfernt wurden.

Vor einigen Woche verspürte ich dann beim Verzehr eines Heißgetränks zum ersten mal ein leichtes Ziehen in meinem unteren ganz rechts liegendem Schneidezahn (die medizinsche Bezeichnung in Deutschland ist 4-2, in Amerkia 26, was mich etwas verwirrte). In den folgenden Wochen nahm das Ziehen zu, auch ohne den Verzehr von Heißgetränken. In den letzten Tagen hatte ich dann fast permanent extreme Schmerzen, woraufhin ich heute entschied bei einem Zahnarzt vorstellig zu werden.

Meine Internetsuche, nach den Kriterien: nah und Zahnarzt, wurfen eine 200 Meter entfernte Gemeinschaftspraxis auf. Nach meinem Anruf um 12 Uhr bekam ich auch sofort einen Termin für 14 Uhr, wurde aber darauf hingewiesen, dass die Praxis nicht mit amerikanischen Normaloversicherungen zusammenarbeitet, woraufhin ich erläuterte dass ich als Ausländer sowieso Cash zahle. Die Dame am anderen Ende der Leitung war höchst erfreut. In der Praxis angekommen, war ich der einzige Patient und wurde sofort nachdem ich den üblichen Fragebogen ausgefüllt habe auf den Zahnarztstuhl gebeten. Nach einigen Röntgenaufnahmen und verschiedenen anderen Tests war sich der Arzt sicher, dass der Nerv abgestorben ist und sich eine Entzündung gebildet hat. Ich stimmte ihm zu. Er war der Meinung, dass er meinen Wurzelkanal säubern und füllen muss. Ich stimmte zu. Er verpasste mir die beste lokale Betäubung, die ich je hatte und fing an mit seiner Behandlung. Alles sehr professionell und nett. Auch der Doktor war ein richtiger Spassmacher. Er erklärte mir, dass ich zufällig einen der 4 offiziell zugelassenen richtigen Zahnärzte in Brooklyn  gefunden habe, und ich bei dem ein oder anderen Arzt keine Freude gehabt hätte – meine Internetrecherchen konnten mir das im Nachhinein bestätigen.

Nach einer Stunde war die Arbeit getan und die Krone wieder an ihrem Platz. Als er mir dann sagte, dass diese Behandlung (mit einem Materialaufwand von fast Null – außer dem Zeug das er mir in den Wurzelkanal gepackt hat) 1000 Dollar kostet war ich doch etwas überrascht. Ich zahlte 500 Dollar an und habe noch einen Kontrolltermin in einer Woche.

Fazit: Das war wohl das teuerste Vergnügen, was ich hier eingehen werde (hoffentlich). Aber mein Zahn fühlt sich wesentlich besser an – zum Glück.

Obama und der vermeintliche Wandel

18. Juli 2008

Wer sich für amerikanische Politik und den Wahlkampf interessiert findet hier einen der besten deutschsprachigen Artikel der letzten Wochen: http://www.zeit.de/2008/30/Amerika?page=1

Gerade auch in Deutschland wird Obama ja als DER amerikanische Messias gesehen und sicherlich wird er besser als Bush sein, was auch nicht besonders schwer ist. Aber für den „kleinen schwarzen Mann“ von der Straße wird sich wenig bis gar nichts ändern…(und wenn unter seinem Kommando der Iran bombadiert und die Kyoto-Ratifizierung zum x-ten mal abgelehnt wird, werden sich auch noch einige Europäer wundern).

Vielleicht schreiben wir nochmal demnächst einen Blogeintrag über die Rassentrennung, die auch wir jeden Tag mitbekommen.

Zwischenmeldung

18. Juli 2008

A. Unsere Bude hat immer noch ein Schwarzwälder-Schinken-Plastik-Aroma

B. Marcel ist angekommen und bleibt eine Woche zu Besuch. Wir haben daher ein kleines Touristenprogramm abgearbeitet, Auszüge hiervon in Bildern:

Zu Fuß über die Brooklyn Bridge

Chinatown-Apotheke

Toiletten-Decke einer Kneipe an der Lower East Side

Martin beim HolaHop im Westen Manhattans

Radtour durch Brooklyn

Dem kann man nichts mehr hinzufügen

Burning down the house…

15. Juli 2008

Montags könnt ich kotzen – und das lag im gestrigen Falle nicht etwa an dem stattfindenden französischem Nationalfeiertag an dem niemand mit mir die Marseillaise singen wollten, sondern an einem Ereignis das sich, wie folgt, zugetragen hat:

Es ist morgens halb zehn Uhr als ich mich auf den Weg zur – nennen wir es mal Arbeit – begeben habe. Zu diesem Zeitpunkt war die einzige Tragödie die mich beschäftige wohl der noch nicht abgeklungene Regen und die nasse Strasse. Was ich nicht wissen konnte, war, dass Mirko nach meinem Verlassen des Hauses noch schnell die Sonnenblumenkerne gewässert hat, damit wir am Abend davon ein Brot backen können – das wohl beste Brot zwischen Aachen und Görlitz (wenn man sich in westlicher Richtung fortbewegt).

An dieser Stelle würde ich jetzt gerne von einem ereignisreichem Arbeitstag berichten, aber Fehlanzeige. Wir haben zum ersten mal ein richtige Praktikantenaufgabe erledigt, als wir 26 nagelneue HD Kameras ausgepackt und dann in 26 nagelneue Kamerataschen gepackt haben. Als sich der glorreiche Tag dann zum Ende neigte, sagte mir der Mirko, dass ich schonmal das Brot vorbereiten soll, während er sich den Bizips trainiert. Ich erhob Einspruch, in der Annahme, dass keine Sonnenblumenkerne zur Verfügung stehen – er klärte mich über meine falsche Annahme auf.

Zu Hause angekommen, machte ich einen Teig aus unserer Sauerteigkultur und Vollkornweizenmehl und den Sonnenblumenkernen und formte ein Brot daraus. Damit der Teig besser garen kann, muss er an einen warmen Ort gestellt werden und dort mindestens 2 Stunden verweilen. Dazu heizen wir immer den Backofen kurz an und schalten ihn schnell wieder aus, damit der Teig optimale Wachstumsbedingungen hat. Die erste Stunde verlief für den Teig in seiner Plastikschüssel zugedeckt von einem weißen Handtuch völlig Vorkommnissfrei. Um kurz vor acht Uhr wollten wir uns auf den Weg zu einem Konzert der New York Philharmonie im Prospect Park machen. Ich fühlte nochmal schnell die Temperatur im Ofen und empfand sie als zu kalt. Also machte ich den Ofen nochmal schnell an, direkt auf 300 Grad Celsius, um ihn nach meinem Toilettengang wieder auszuschalten.

Letzterer Vorgang fand allerdings nicht statt, und in der Konsequenz wurde es dem Teig wohl ziemlich schnell heiß. Diesen Umstand bemerkten weder ich noch der Mirko und wir machten uns auf in den Park, wo wir Bach und Beethoven zu Hören bekamen und im Anschluss daran ein sehr nettes Feuerwerk – und das alles für umsonst. Auf dem Heimweg nutzte ich meine Ortskenntnis, um schneller zu Hause zu sein als Mirko. Ich schloss die Tür auf und sah erstmal gar nix. Für einen Moment dachte ich, dass unsere Vermieter endlich die zweite Tür eingebaut haben, doch dann fiel mir das Brot ein. Ich holte tief Luft und tastete mich zur Küche um dort den innen brennenden Ofen zu finden. Ich schaltete den Ofen aus und tastete mich weiter zur Hintertür, um diese zu öffnen und erstmal ordentlich zu Husten.

Als Mirko ankam stellten wir fest, dass der Rauch durch jede Ritze gezogen war und das ganze Haus im Nebel versank. Als wir die Fenster öffneten zogen riesige Rauchschwaden auf die Strasse. Wir verbrachten die halbe Nacht damit den Rauch aus dem Haus zu kriegen und die Wohnung zu schrubben. Außerdem haben wir schonmal angefangen unsere Wäsche zu waschen, welche vollständig geräuchert wurde. Am nächsten morgen stellten wir dann fest, dass sich der Rauch nur in unserer Wohnung in sämtliche Möbel gefressen hat und die oberen Etagen relativ verschont blieben. Wir werden versuchen den Geruch innerhalb der nächsten Wochen zu bekämpfen…

Die Plastikschüssel ist ohne Reste zu hinterlassen verbrannt und das Handtuch auch. Nur das Brot war, trotz einer 2 cm dicken Kruste im Kern von beeindruckender Qualität – schade drum.

The HUB – The Global Channel For Human Rights

15. Juli 2008

Viele von euch haben sich sicherlich schon gefragt, was wir eigentlich genau hier in New York machen, außer auf Konzerte zu gehen und schlechtes Bier zu trinken.

Diesen Wissensdurst soll dieser Artikel nun löschen und euch einen kleinen Einblick in unsere Arbeit bei Witness geben.

Witness wurde 1992 u.a. von dem Musiker Peter Gabriel gegründet. Das Ziel war es mit dem Einsatz von Videos für die Menschenrechte einzutreten und Aufmerksamkeit zu schaffen. Witness arbeitete und arbeitet auch heute noch mit Partnerarorganisationen und einzelnen Aktivisten auf der ganzen Welt zusammen, mittlerweile in über 70 Ländern.

Schwerpunkt der Arbeit sind das Bereitstellen von Videokameras, in zunehmendem Maße, da günstig und unauffällig auch von Flip-Cams. Weiterhin werden Schulungen vor Ort und auf Kongressen durchgeführt.

Hier im Brooklyn Office existieren außerdem zwei professionelle Avid-Schnittstudios, die u.a. auch füraufwändigere Filmproduktionen genutzt werde. Viele Filme liefen auf Festivals auf der ganzen Welt und haben Preise gewonnen.

[Achtung an die mitlesende Ü40 Generation: Die nächsten Absätze beinhalten viele webspezifische Begriffe...bitte auf die verlinkten Wörter klicken für mehr Informationen]

Das neueste Projekt ist THE HUB – The Global Channel For Human Rights. Hierbei handelt es sich um ein menschrechtsbezogenes Web 2.0 Portal, dass die Funktionen von Plattformen wie youtube, myspace, flickr und Co aufgreift und kombiniert. Die wichtigsten Funktionen umfassen u.a. das Hochladen und Angucken von Videos, Fotos und Audiodokumenten.

Weiterhin können Gruppen gegründet und Kampagnen gestartet werden. Sämtliche Daten können mit Tags versehen werden, auch Geo-Tagging ist als Funtkion implementiert. Für die Zukunft sind noch Funktionen wie z.B. User-Blogs und direkte Uploads vom Handy aus geplant.

Martin und ich sind sehr viel mit Videoschneiden beschäftigt. Hauptsächlich ahndelt es sich um Material der ausgeliehenen und nun wieder zurückgekommenen Flipcams. Da an den unmöglichsten Orten gefilmt wird, ist die Qualität oft mangelhaft und wir versuchen mit sämtlichen Filtern zu retten was zu retten ist.

Außerdem haben wir den Don-Quijote-ähnlichen Kampf um ein verbessertes Design und benutzerfreundliche Ergonomie aufgenommen. Denn sowohl von Design (What? Corporate Colors? I don’t like this expression, yoo know, we are not a company…), Sitemaps und Suchmaschinenoptimierung scheint hier noch kein Mensch was gehört zu haben.

Wie man bei einem Besuch des Hub leicht feststellen kann, sind noch eine Menge Bugs vorhanden, die von Martin in mühseliger Kleinarbeit erfasst und als Tickets für die Programmierer aufbereitet wurden.

Dazu kommt noch viel Kleinkram, d.h. kleinere Designaufgaben (ja, auch Photoshop ist hier ein weitgehend unbekanntes Wesen), Präsentationen, Unterstützung unserer Chefs im Tagesgeschäft usw.

Wie schon im New York ABC geschrieben geht es hier sehr gemütlich zu, und es gibt, nunja, ähm, einiges zu verbessern, um das mal ganz nett und vorsichtig auszudrücken. Wir haben uns auf jeden Fall schon einen guten Ruf erarbeitet, Probleme direkt anzusprechen und die Leute damit auch hartnäckig zu nerven…

Kashan and the Simplysoulband

14. Juli 2008

Hier mal ein kleines, frischgeschnittenes Flipcam-Video von unserem geliebten Ex-Roomie mit seiner Band: