Visa – die Freiheit nehm’ ich mir….

By mirkonemiroslav

…hieß es früher mal in einem Werbespot. Wenn es jedoch um den Erwerb eines amerikanischen Visums geht, erhält der Slogan eine ganz neue Bedeutung.

Um die Speerspitze der Freiheit und Demokratie zu bereisen, fülle der geneigte Reisende zunächst in mehrstündiger Arbeit mehrere Formulare aus. Reiseziele der letzten zehn Jahre sollten mit genauem Datum bekannt sein, ebenso wie die Arbeitgeber mit Adresse und Ansprechpartner im selben Zeitraum. Etwaige Sprengstoffkenntnisse, kommunistische und nationalsozialistische Verbindungen sind zu verneinen.

Weiterhin überweise man über 100 Dollar sowie eine Onlineregistrierungsgebühr um einen Termin bei einem der drei deutschen Konsulate zu erhaschen. Man akzeptiere, dass nur noch Termine am frühen Morgen verfügbar sind, und frohlocke ob der Zugfahrt um sechs Uhr in der Früh. Am Zielbahnhof angekommen begebe man sich unmittelbar zu den Schließfächern und fülle eines davon mit Handy, MP3 Player, seinem Gürtel und ähnlichen, zur Verübung eines terroristischen Anschlages geeigneten Gegenständen. Diese sind im Konsulat verboten und können dort auch nicht deponiert werden.

Ist der trotz allem gut gelaunte Proband an der Botschaft angekommen, muss er trotz Termins eine Viertelstunde vor der Fort Knox ähnlichen Festung unüberdacht in der Kälte warten, ständig beäugt von einem bewaffneten Schnurbärtigen, dessen Grimmigkeit mit seiner Körperfülle eindeutig positiv korreliert.

Im ersten Bunker angekommen, lasse man eine flughafenähnliche Leibesvisitation über sich ergehen und verneine den Besitz jeglicher electronic devices. Nach der nächsten Schleuse erwartet einen zur Belohnung ein sakraler Ort mit dem 70er Jahre Charme eines deutschen Amtes, verkleidet mit geschätzten zehn Tonnen Stahl vor den Fenstern. In guter Amtsmanier ziehe man eine Nummer und warte. Danach warte man noch ein wenig mehr und dann noch ein kleines bisschen und schließlich wird die eigene Nummer aufgerufen und man darf seine gesammelten Unterlagen einreichen und Abdrücke aller zehn Finger nehmen lassen. Danach nehme man wieder Platz und warte auf den erneuten Aufruf seiner Nummer.

Sobald dieser erfolgt setze man eine erfürchtig-freundliche Miene auf und krieche zur Lebensbeichte vor die Konsularin. Keinesfalls erschrecken sollte man, wenn man dann in das Gesicht von Queen-Mum blickt. Sind die Fragen auf Englisch nach dem Begehr, dem woher, wohin und warum geklärt, lasse man sich keinesfalls schocken von ihrer Feststellung, dass man sie leider nicht überzeugt habe und sie deshalb kein Visum ausstellen könnte. Auch das desinteressierte I’ll check it, als Reaktion auf den Verweis, dass der Mitreisende in der Vorwoche schon sein Visum in Berlin erhalten hat, sollte keinen Anlass zur Sorge bereiten. Südstaaten-Nazi-Omas mögen ja bekanntlicherweise langhaarige, bärtige Studenten.

Fröhlich beschwingt setze man sich gegen Mittag dann also wieder in den Zug gen Heimat und erquicke sich an den grünen Auen. Die nächsten Tage genieße man weiterhin sein Leben und verschwende keinen Gedanken an die geplante Reise. Man gehe dann am Ende der Woche zu seinem Briefkasten und entnehme mit größtmöglicher Lässigkeit den innen liegenden Umschlag mit Pass und dem, ohne weiteren Kommentar versehenen, angefügten Visum.

Schließlich hat man keine Sekunde daran gezweifelt.

6 Antworten zu „Visa – die Freiheit nehm’ ich mir….“

  1. mirkonemiroslav sagt:

    Test, test
    check 1, 2

  2. Thomas R sagt:

    Herrlich geschrieben :D
    Erinnert mich etwas an mein Fiasko mit dem Indischen Konsulat in Deutschland die stillschweigend meinen Pass behalten haben und trotz mehrmaligen Nachfragens mir versichert haben dass er auf dem Weg sei.
    Aber zurück zum blutrünstigen Barbar:
    USA? Bist also doch zum zionistischen, kapitalistischem, dekandenten Weltpolizisten und Erpresser geworden für den ich dich immer gehalten habe ;) .
    Dein nächster Eintrag muss unbedingt erklären wieso und warum du gehst und was du da machst!
    Neugierigst
    t

  3. Bully sagt:

    Yeah, Nice Blog!

  4. Hagen sagt:

    Hey. Cooler Blog. Schöner Text.

    Martin soll mal auch was schreiben!

  5. martin sagt:

    Würde ja gerne was schreiben, aber leider hab ich noch nicht wirklich Zugang zum Blog. Man beschwere sich beim Mirko…!

  6. Fred sagt:

    Ja also Herr Martin,

    haben sie denn auch den Passierschein A38, den sie benötigen, um das Antragsformular B54 für den Zugang zum Blog zu erhalten???

    Na? Dann bin ich mal gespannt auf deinen Blog, der hoffentlich ähnlich schön zu lesen sein wird.
    gn8 =)

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